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Es ist traurig, dass alles so enden musste. Oder ist es eher traurig, dass das Ganze überhaupt so angefangen hat – mit einer Illusion? Es fällt mir noch schwer, mein Dasein rückblickend nun unter diesem Aspekt zu betrachten: Dass sich alles, woran ich je geglaubt habe, letztendlich doch nur als vergänglich und als Schein herausgestellt hat. Ich habe zwar genauso wenige Beweise dafür, dass dem so ist, wie ich einst für die Existenz meines Gottes hatte, aber seltsamerweise ist mein Bewusstsein nun für diese, meine neue Wahrnehmung, viel empfänglicher…jedenfalls jetzt. Mein Schicksal muss ich zwar trotzdem bestreiten und den Weg in meine Nichtexistenz gehen, aber wenigstens bin ich mir nun sicher, dass es jedem anderen auch so gehen wird. Dass wir alle vielleicht nur leben, um zu sterben. Dass ich nicht alleine bin, auch wenn der Preis dafür das Eingestehen der Sinnlosigkeit unserer Existenz ist. Und so kann es mir schließlich egal sein, was mit mir passiert. Ich kann mich zurückziehen, um einfach gar nichts mehr zu fühlen, genau, wie ich bald nicht mehr sein werde. Es ist ein erleichternder, wenn auch trostloser Gedanke, aber mir ist alles recht, um mit meiner Lage fertig zu werden – irgendwie. Jetzt fühle ich mich bereit für den ewigen Schlaf, als einer von vielen, der ihn in kürze empfangen darf. Ich werde all das für mich behalten, all meine Gedanken und neuen Erkenntnisse; sie sollen nicht zur Last für Sophie und die anderen werden, jedenfalls nicht, bevor sie sich irgendwann selbst darüber bewusst werden, so wie ich gerade. Ich sie mit in mein Grab, und es ist nicht schlimm, denn im Moment dienen sie nur mir alleine, und die Zeit wird kommen, in der ich nicht mehr auf sie angewiesen sein werde.
Alles, was ich tue, zu essen, zu liegen, auf die Schwester zu warten, läuft nun nur noch auf den einen Moment heraus, in dem sich meine Augen für immer schließen. Es geschieht mit monotoner Gleichheit und zieht an mir vorüber, als wäre ganz unwirklich, als würde ich es gar nicht richtig wahrnehmen. Die Zeit vergeht, der Abend kommt, und schon bald gebe ich mich wieder meiner alten Freundin, der Dunkelheit hin, um in meinem Bett mit ihr zu verschmelzen. Da weiß ich, dass ich nun endgültig mit dieser Welt abgeschlossen habe. Sie bedeutet mir noch so viel mit all ihren Menschen darin, jenen, die mich lieben und denen ich meine besten Erinnerungen verdanke, aber sie alle können nichts mehr für mich tun, und irgendwann werden sie auch an meiner Stelle sein. Denn auch wenn alles im Nichts endet, so hatte ich doch eine wundervolle Zeit auf dieser Erde, die umso wundervoller war, als ich noch nicht wusste, was letzten Endes wirklich in ihr vorgeht. Mein Unwissen war eine Gnade, genau wie mein Glaube. Gaben, die meinen Lieben noch gegönnt sind und ihr Leben bestimmen. Ich will ihren schein nicht zerstören, sie sollen Frieden haben, solange es geht. Und auch ich habe nun schließlich endlich meinen Frieden, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Nun ist es Zeit, zu schlafen, jetzt, da ich es kann – frei von jeder Sorge, weder betrübt noch glücklich. Letztendlich ist doch alles egal und läuft auf ein einziges Ziel hinaus, und ich erfülle meine Rolle in diesem Strom der Zeit und füge mich meinem Schicksal.

1 Kommentar:

  1. Hola Maxi,
    im Großen und Ganzen gefällt mir der Anfang der Story recht gut. Doch Näheres dazu gibts bei unserem nächsten Treffen ^^. Weiterhin viel Spass beim Schreiben und natürlich gute Ideen.

    Gruß

    Saint Rob

    I am certain of nothing but the holiness of the heart's affections and the truth of imagination. What the imagination seizes as beauty must be truth - whether it existed before or not.
    ( John Keats )

    If you are going through hell, keep going.
    (Sir Winston Churchill)

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