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Wir sitzen noch dort bis spät in die Nacht, reden, scherzen, träumen. Es hat die ganze Zeit über geschneit. Die dicken, weißen Flocken sammeln sich auf dem Fenstersims und bilden eine Schicht, die von Minute zu Minute dicker wird und im Mondenschein glitzern und funkeln. Dann wird es für Sophie Zeit, zu gehen. Wir beide sind müde und erschöpft, und unsere Nerven haben heute viel durchgemacht. Sie verspricht mir, mich morgen Abend wieder zu besuchen, sobald sie mit allem fertig ist. Wir verabschieden uns, und als sie schon an der Tür ist, dreht sie sich noch ein letztes Mal um. „Ich hoffe, dass ich bis Mittwoch die Kinder erreichen kann. Ich weiß nicht, ob sie dir glauben werden, aber ich kriege sie schon irgendwie hierher.“ Ich schenke ihr ein Lächeln, doch jetzt, im Moment des Abschiedes, bleibt ihr Gesicht ernst und besonnen. „Pass gut auf dich auf, Edmond. Bitte.“ Dann ist sie verschwunden.

Ich schalte das Nachtlicht aus und lasse mich tief in mein Kissen sinken. Die Dunkelheit tut meinen müden Augen gut; die schweren Lider senken sich und meine Welt wird eins mit der Dunkelheit. Erst jetzt bemerke ich, wie gut die Ruhe meinem Körper tut. Anscheinend habe ich vergessen, wie sehr er sich inzwischen verändert hat, und dass ich nicht mehr Herr über dieselbe Kraft bin wie früher. Die Therapie hat ihn sehr viel gekostet, hat ihn altern lassen und ihn stark geschwächt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er seine Funktionen einstellt, um diesem hilflosen und gelähmten Zustand und der Welt aus Medikamenten und Schmerzen zu entkommen. Mir bleibt einzig die Möglichkeit, darauf zu warten; ein Gedanke, der mir meine Einsamkeit nur noch stärker bewusst macht. Und auch wenn ich gerade jetzt nach Gesellschaft suche und jeden neuen Augenblick mit einem lieben Menschen nur noch mehr zu schätzen weiß, bin und bleibe ich innerlich letztendlich doch immer alleine. Sie können auch nur mit mir fühlen, doch nicht so, wie ich es tue. Der letzte Weg ist schwer und dunkel, und ich habe seinen Anfang gerade erst betreten. Ich weiß nicht, was mich noch alles erwarten wird, während ich ihn beschreite, aber die Angst ist mein ständiger Begleiter – nicht jene vor dem Tod, sondern die Angst vor dem Sterben selbst.
Nun muss ich schlafen und mich regenerieren, denn ich habe noch so viel vor. Nach einer langen Zeit der Ungewissheit und des Bangens hat es heute endlich begonnen, und ich werde bereit sein, wenn es so weit ist. Also, schließen wir nun diesen Tag, und tun wir es wenigstens mit etwas Schönem. Ich bin ganz entspannt und lasse meine Gedanken schweifen. Und dann höre ich es, zuerst ganz leise und wie von weiter Ferne, und dann ganz nah. Meeresrauschen. Dann kann ich es sehen: Einen langen Streifen weißen Sand, und die blauen Wellen, die in ihn übergehen; einen warmen Sommertag und die weißen Möwen, die dem Horizont entgegenziehen. Ich fühle mich zu Hause, geborgen in den schönsten Zeiten meiner lange vergangenen Erinnerung; ich bin frei und unbeschwert, als könnte ich fliegen. Ich gehe am Wasser entlang, die Sonne ist mein ständiger Begleiter, ich fühle den warmen Sand unter meinen blanken Füßen. Und dann, dann sehe ich sie plötzlich vor mir.
Als ich jung war, da traf ich am Strand dieses wunderschöne Mädchen…

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