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Etwas ist mit mir passiert. Ich lehne mich in die dicken Kissen hinter meinem Rücken zurück, schließe die Augen, versuche, mich etwas auszuruhen. Ich brauche Ruhe, es ist Zeit zum nachdenken. Um mich herum ist es jetzt ganz still; jedenfalls kommt es mir so vor, und doch fühle ich mich nicht mehr unwohl, sondern eher auf eine seltsame Weise beruhigt. Ich lasse meine Gedanken schweifen, reflektiere noch einmal das Gesehene der letzten paar Stunden. Dann, ganz langsam, denke ich die Geschichte weiter und verknüpfe all diese Bilder mit meinem weiteren Leben und der Entstehung unserer Familie.
Da muss ich plötzlich grinsen, denn mit einem Mal wird mir auf einmal klar, wie reich doch mein Leben war. Für manche werde ich nie etwas Besonderes gewesen sein, viele, die ich kannte, werden nicht mehr an mich denken und einige mich sogar vergessen haben, doch für mich hatte ich alles, was ich mir je hätte wünschen können. Es gab immer jene Höhen und Tiefen, doch im Grunde genommen war ich tief in mir immer glücklich.
Und da, im Angesicht meines Todes, da weicht plötzlich alle Furcht von mir; meine Trauer, meine Zweifel, meine tiefsten Ängste weichen dem Gefühl einer innigen und vollkommenen Dankbarkeit in meinem Herzen. Der volle Mond wirft von draußen seine Muster auf den Boden vor meinem Fenster. Voller Ehrfurcht über diese seltsame Wandlung blicke ich hinaus in den bewölkten Himmel, hypnotisiert von seinem matten, blassen Schein. Ich fühle mich wie erfüllt von einem tiefen Gefühl inneren Friedens. Ich stelle mir vor, wie schön es doch wäre, wenn er ewig währen würde, und da weiß ich, dass ich nun endlich bereit bin.

Als Sophie zurückkommt, bin ich eingeschlafen. Sie weckt mich so, wie sie es immer schon tat; mit einem leichten Kuss auf meiner Stirn, ein paar Zentimeter über meiner linken Augenbraue. Sie hat das Nachtlicht neben meinem Bett eingeschaltet und hat ihren Schal und den Mantel noch nicht abgelegt. „Ich bin wieder da.“
„Wie ist es gelaufen?“ frage ich sie. „Hat alles funktioniert?“ Sophie stößt ein leises Seufzen aus und klopft sich ein paar Schneeflocken von den Schultern. Sie sieht erschöpft aus, und es scheint, als fällt es ihr schwer, mir zu antworten. „Ich habe versucht, so viele wie möglich zu erreichen. Bei unseren Bekannten und denen, die hier in der Nähe geblieben sind, war das kein Problem; auch wenn sich die meisten denken, dass deine Ahnung völlig unbegründet ist. Ich habe ihnen gesagt, wie wichtig es dir ist, dass sie dich bald einmal besuchen kommen. Schwieriger war es bei den anderen, die du mir aufgeschrieben hast. Die haben sich nämlich in so ziemlich alle Himmelsrichtungen zerstreut, und von denen, deren Adressen ich gefunden habe, konnte ich den größten Teil nicht erreichen.“ Sie zieht den kleinen Zettel aus ihrer Manteltasche, mit dem ich sie heute Morgen losgeschickt habe, und gibt ihn mir. Auf ihm steht eine Liste an Namen, einige davon sind von Sophie mit einem Haken versehen worden.
„Vielen Dank. Du weißt, wie viel es mir bedeutet, sie alle noch einmal zu sehen. Aber trotzdem bitte ich dich: Gib nicht auf. Versuche es weiter, solange du kannst. Du bist jetzt mein Auge und mein Ohr, wo ich an dieses Bett gefesselt bin. Hilf mir, zu tun, was ich nicht mehr kann, Sophie.“ Sie schweigt und sieht mich mit hilflos blickenden Augen an. „Edmond, ich will dir ja helfen, so gut ich kann, aber…“ Dann beginnt sie wieder zu weinen.

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