Seite 25
„Siehst du, Edmond, nun geht es doch bergauf. Irgendwann wird das alles hier vorbei sein, und dann kommst du wieder zu uns zurück. Du hast jetzt lange genug Trübsal geblasen und dir den Kopf zerbrochen – natürlich nicht ganz zu unrecht, und ich konnte das ja auch verstehen. Ich konnte dich verstehen, das kann ich auch jetzt noch.“ „Was meinst du damit?“ frage ich Sophie mit forschendem Blick. „Nun, ich kenne dich nicht erst seit gestern, Edmond. Und wenn man so oft neben dir aufgewacht ist wie ich oder so viele seiner zweifellos wundervollen Tage mit dir verbracht hat, dann lernt man mit der Zeit ganz automatisch, aus deinem Gesicht zu lesen wie aus einem Buch und kann irgendwann jede selbst noch so kleine Regung darin deuten und verstehen. Und auch wenn du es versucht hast, hast du, wie ich finde, jedenfalls für mich kein großes Geheimnis daraus gemacht, dass du dem Bericht nicht traust – und vor Kara, glaube ich, auch nicht.“ Ihre Worte berühren mich in ihrer so spontanen Offenheit auf einer Weise, wie ich sie nicht vermutet hätte. Ihre Aufmerksamkeit hat trotz der vielen Jahre in keiner Weise nachgelassen und einen Teil ihrer jugendlichen Frische von damals erhalten, der wohl ewig in ihr weiter blühen wird; aber dennoch hat sie nicht gänzlich recht. „Es stimmt nicht ganz“ antworte ich ihr nach einer kurzen Weile. „Seine Worte haben mich nur etwas… verwirrt, weißt du? Ich glaube, ich brauche einfach etwas Zeit, um darüber nachzudenken.“ „Ich verstehe dich einfach nicht“ erwidert Sophie mir plötzlich in forschem Ton. „Du solltest überglücklich sein, wieder gesund zu werden! Wieder zu uns nach Hause zu kommen! Hast du dir so fest in den Kopf gesetzt, hier zu sterben? Nur, weil du dich schon darauf eingestellt hast oder deinen Gefühlen vertraust – mehr als den Ärzten, die dich behandeln. Hast du nicht einmal darüber nachgedacht, wie wir uns dabei fühlen?“ Ich schweige, überlege mir, was ich ihr entgegnen soll. Weiter darüber zu streiten, wäre für keinen von uns beiden gut, und eigentlich gibt es absolut nichts, dass gegen sie sprechen könnte – gegen die Worte einer liebenden Frau und Mutter. Und dann ist dort trotzdem noch diese andere Seite in mir, die immer noch keine Ruhe geben kann, genau wie meine Entscheidung, sie nicht mehr anzulügen. Schließlich nimmt mir Sophie, die meinen inneren Zwiespalt beobachtet, die Entscheidung ab. „Ich glaube, es ist jetzt besser, wenn ich gehe, Edmond. Wir sollten uns nicht aufregen, und vielleicht hast du ja Recht, und das ganze braucht einfach nur Zeit. Versuch einfach, ein bisschen zu schlafen, und denk daran, dass es dort draußen noch drei Menschen gibt, die dich brauchen.“ Ich akzeptiere ihren Entschluss mit einem stummen Nicken. „Sehen wir uns morgen?“ frage ich sie schließlich noch einmal. „Aber natürlich. Ich richte Anthony deine Glückwünsche aus.“ Sie steht auf und geht zur Tür, dreht sich dann aber noch einmal mich einem kleinen Lächeln um. „Schlaf gut, Liebling, und versuch, dich zu erholen.“ „Auf Widersehen“ entgegne ich ihr. „Ich werde mich nicht von dir verabschieden, Edmond. Heute nicht. Morgen bin ich ja wieder da, und vielleicht hilft es dir, dich von deinen dunklen Gedanken einmal zu trennen.“ Sie wirft mir noch einen raschen Blick zu, dann ist sie aus dem Zimmer verschwunden.
Seite 24
„Es ist schön, dass du dich endlich wieder einmal freuen kannst. Das ist der erste Schritt zu deiner Genesung“. Sophies Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern, doch ihre Stimmlage lässt mich erkennen, dass sie es aus ganzem Herzen und vollkommen ernst meint. Ich küsse bestätigend ihre Wange und nicke ihr kurz zu. Diese Frau hat in den letzten Tagen genug durch mich gelitten, und meine finsteren Gedanken waren schon zu lange auch ihre Last. „Ich kann mir keinen besseren Start in den Tag vorstellen, Liebling. Ihr beide habt heute Morgen meine Engel gespielt. Extra deswegen hier zu bleiben…musst du nicht arbeiten, Kara?“
„Mein Dienst fängt heute erst in einer guten Stunde an, da war das zum Glück kein Problem. Trotzdem bedeutet das, dass ich leider auch bald los muss, Paps. Aber keine Sorge, Mom bleibt noch ein bisschen hier und leistet dir Gesellschaft.“ „Ich bleibe den ganzen Mittag über bei dir“ entgegnet Sophie, “schließlich müssen wir ja ein bisschen feiern. Nur gegen Abend muss ich dann leider wieder abfahren. Anthony Cooper wird heute Achtzig, und weil er ja im Rollstuhl sitzt, habe ich Sarah versprochen, ihr noch ein bisschen bei den Vorbereitungen zu helfen, bis die anderen Gäste kommen. Er hat natürlich die ganze Nachbarschaft eingeladen, und wir wohnen jetzt schon so viele Jahre nebeneinander, dass ich ihnen meine Hilfe angeboten habe.“ „Dann richte ihm mal schöne Grüße aus“ sage ich, „wir wissen ja, dass er es schon schwer genug hat. Der gute, alte Anthony. Wir können froh sein, dass er seinen Unfall vor zwei Jahren in dem Alter wenigstens psychisch verhältnismäßig gut weggesteckt hat. Er ist ein guter Mann und weiß es wenigstens, das Leben noch zu genießen, wie es kommt.“ „Ich bin mir sicher, er wird auch an dich denken. Aber mach dir mal keine Sorgen, für deine Abendunterhaltung ist trotzdem schon gesorgt.“ „Ich hab mir nach der Arbeit für dich freigenommen, dann löse ich sie ab“ beginnt Kara. „Ich habe zwar noch ein paar Korrekturen vor mir, aber die kann ich genauso gut auf Samstag schieben. Und ich will keine Widerworte hören, heute ist das absolut in Ordnung. Ich kauf uns nachher noch ein bisschen Cola und Chips und leih irgendeinen Zombiefilm aus, und dann kriech ich in dein Bett und wir machen mal wieder einen richtig schönen Vater-und-Tochter-Abend, so wie früher.“ „Was, keine Partyhütchen?“ frage ich sie, und gegen meine Erwartungen erblüht doch noch ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht. „Habe ich damals vielleicht irgendetwas verpasst?“ erwidert Sophie amüsiert. „Ist ein Männergeheimnis“ sagt Kara. „Du hast mir früher immer etwas vorgelesen, wenn ich nicht schlafen konnte. Paps hatte da seine eigenen Mittel“. „Na dann ist ja alles in Ordnung“ meint Sophie augenzwinkernd. „Ich dachte schon, ich wäre daran schuld, dass du so geworden bist.“
Wir scherzen noch eine Weile, dann verabschiedet sich Kara und macht sich auf den Weg. Kaum hat sie den Raum verlassen, brauchen wir beide uns nur anzusehen, um einmal mehr schweigend darauf stolz zu sein, was für wundervolle Kinder wir doch haben.
„Mein Dienst fängt heute erst in einer guten Stunde an, da war das zum Glück kein Problem. Trotzdem bedeutet das, dass ich leider auch bald los muss, Paps. Aber keine Sorge, Mom bleibt noch ein bisschen hier und leistet dir Gesellschaft.“ „Ich bleibe den ganzen Mittag über bei dir“ entgegnet Sophie, “schließlich müssen wir ja ein bisschen feiern. Nur gegen Abend muss ich dann leider wieder abfahren. Anthony Cooper wird heute Achtzig, und weil er ja im Rollstuhl sitzt, habe ich Sarah versprochen, ihr noch ein bisschen bei den Vorbereitungen zu helfen, bis die anderen Gäste kommen. Er hat natürlich die ganze Nachbarschaft eingeladen, und wir wohnen jetzt schon so viele Jahre nebeneinander, dass ich ihnen meine Hilfe angeboten habe.“ „Dann richte ihm mal schöne Grüße aus“ sage ich, „wir wissen ja, dass er es schon schwer genug hat. Der gute, alte Anthony. Wir können froh sein, dass er seinen Unfall vor zwei Jahren in dem Alter wenigstens psychisch verhältnismäßig gut weggesteckt hat. Er ist ein guter Mann und weiß es wenigstens, das Leben noch zu genießen, wie es kommt.“ „Ich bin mir sicher, er wird auch an dich denken. Aber mach dir mal keine Sorgen, für deine Abendunterhaltung ist trotzdem schon gesorgt.“ „Ich hab mir nach der Arbeit für dich freigenommen, dann löse ich sie ab“ beginnt Kara. „Ich habe zwar noch ein paar Korrekturen vor mir, aber die kann ich genauso gut auf Samstag schieben. Und ich will keine Widerworte hören, heute ist das absolut in Ordnung. Ich kauf uns nachher noch ein bisschen Cola und Chips und leih irgendeinen Zombiefilm aus, und dann kriech ich in dein Bett und wir machen mal wieder einen richtig schönen Vater-und-Tochter-Abend, so wie früher.“ „Was, keine Partyhütchen?“ frage ich sie, und gegen meine Erwartungen erblüht doch noch ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht. „Habe ich damals vielleicht irgendetwas verpasst?“ erwidert Sophie amüsiert. „Ist ein Männergeheimnis“ sagt Kara. „Du hast mir früher immer etwas vorgelesen, wenn ich nicht schlafen konnte. Paps hatte da seine eigenen Mittel“. „Na dann ist ja alles in Ordnung“ meint Sophie augenzwinkernd. „Ich dachte schon, ich wäre daran schuld, dass du so geworden bist.“
Wir scherzen noch eine Weile, dann verabschiedet sich Kara und macht sich auf den Weg. Kaum hat sie den Raum verlassen, brauchen wir beide uns nur anzusehen, um einmal mehr schweigend darauf stolz zu sein, was für wundervolle Kinder wir doch haben.
Seite 23
„Oh...nunja, ich… wie darf ich das verstehen? Ich meine…“ „Lassen Sie es mich Ihnen kurz erklären“ entgegnet mir der Mann, der kaum wesentlich älter als Jake sein dürfte. „Sie haben den Kampf gegen die Krankheit zwar nicht gewonnen, allerdings hat sich Ihr Zustand auch nicht verschlechtert, und das ist vorerst ein gutes Zeichen. Mehr noch, Ihre Werte haben sich jetzt nach der zuerst noch kritischen Anfangsphase nach der OP endlich stabilisiert. Natürlich werden in Zukunft noch eine ganze Reihe an Untersuchungen und Therapien anstehen, aber ich glaube, ich darf sagen, dass Sie fürs erste aus dem roten Bereich heraus sind, Edmond.“
Obwohl ich ihn nicht sehe, kann ich den verwirrten Ausdruck und das gezwungene Grinsen in meinem Gesicht spüren, das sich in dem folgenden Moment spontaner Stille wie Wachs anfühlt. Statt der Erleichterung, die sich eigentlich in meiner Brust breit machen sollte, ist da etwas anderes, eigenartiges an ihren Platz getreten. Verwunderung, Sprachlosigkeit. Enttäuschung? Ich vermag es nicht zu beschreiben. Und während sie mich weiter ansehen, darauf warten, wie ich reagieren werde, verabschiedet sich für einen Moment mein Geist. Für Sekunden reist meine Erinnerung wie ein Blitz um Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit. Ich war elf Jahre alt, ein Versager in der Schule, und meine Eltern, die es nur gut mit mir meinten, schickten mich, obwohl sie ihn selbst nur schwer entbehren konnten, für einen ordentlichen Geldgehalt zu einer Nachhilfeorganisation, bei der ich Einzelunterricht bekam. Ich empfand es als die reinste Qual, Woche für Woche mehrere Stunden dort zu sitzen, wehrte mich und brach so manches Mal still in Tränen aus. Letztendlich beschloss ich, es für meine Eltern zu ertragen, ihren guten Willen zu ehren und zu zeigen, dass ich es bis zum Ende durchstehen konnte, aber sie erkannten schließlich, wie es mir dabei ging, und brachen die Kurse frühzeitig ab. Das Gefühl, dass ich dabei hatte, ähnelte irgendwo dem, was ich nun empfinde, auch wenn es sich dabei nicht um das Gleiche handelt. Für mich als Elfjährigen war es damals schwer, mein Unbehagen in Trotz umzuwandeln, aber diesen durch den frühzeitigen Abbruch nicht ausdrücken zu können, löste in mir beinahe Frustration und Verwirrung aus, obwohl ich mich hätte freuen sollen.
„Paps, alles in Ordnung mit dir?“ Karas Stimme holt mich zurück in die Realität. Ich bin nicht mehr jung, und die Realität umfängt mich wieder mit der sterilen Einrichtung meiner kleinen Zelle. „Ja, natürlich. Verzeiht mir. Es ist alles gut, ich war nur gerade in Gedanken irgendwo anders. Und ich hätte wohl als letztes mit solchen Nachrichten gerechnet. Ich bin wirklich… sprachlos!“ Dann weite ich mein Grinsen zu lauten Lachen aus; einen herzlichen Klang, der diesen Raum seit meiner Einweisung noch nie in diesem Maße erfüllt hat. Es dauert nicht lange, bis die anderen drei mit einstimmen, die beiden Frauen mich umarmen und der junge Arzt mir voll Stolz und ermutigendem Blick fest die Hand drückt. Ihre Minen erwidern meine Emotionen, und in Sophies Augen haben ihren alten Schimmer der Hoffnung zurückgewonnen, den ich bereits endgültig für verloren glaubte. Die markante Sorgenfalte über ihrer linken Braue ist seit Tagen zum ersten Mal verschwunden. Ich freue mich für sie; darüber, dass sie nun endlich einmal aufatmen kann – auch wenn dafür Kara im Gegensatz zu ihrer Mutter bereits längst erkannt hat, dass ich ihnen etwas vormache.
Obwohl ich ihn nicht sehe, kann ich den verwirrten Ausdruck und das gezwungene Grinsen in meinem Gesicht spüren, das sich in dem folgenden Moment spontaner Stille wie Wachs anfühlt. Statt der Erleichterung, die sich eigentlich in meiner Brust breit machen sollte, ist da etwas anderes, eigenartiges an ihren Platz getreten. Verwunderung, Sprachlosigkeit. Enttäuschung? Ich vermag es nicht zu beschreiben. Und während sie mich weiter ansehen, darauf warten, wie ich reagieren werde, verabschiedet sich für einen Moment mein Geist. Für Sekunden reist meine Erinnerung wie ein Blitz um Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit. Ich war elf Jahre alt, ein Versager in der Schule, und meine Eltern, die es nur gut mit mir meinten, schickten mich, obwohl sie ihn selbst nur schwer entbehren konnten, für einen ordentlichen Geldgehalt zu einer Nachhilfeorganisation, bei der ich Einzelunterricht bekam. Ich empfand es als die reinste Qual, Woche für Woche mehrere Stunden dort zu sitzen, wehrte mich und brach so manches Mal still in Tränen aus. Letztendlich beschloss ich, es für meine Eltern zu ertragen, ihren guten Willen zu ehren und zu zeigen, dass ich es bis zum Ende durchstehen konnte, aber sie erkannten schließlich, wie es mir dabei ging, und brachen die Kurse frühzeitig ab. Das Gefühl, dass ich dabei hatte, ähnelte irgendwo dem, was ich nun empfinde, auch wenn es sich dabei nicht um das Gleiche handelt. Für mich als Elfjährigen war es damals schwer, mein Unbehagen in Trotz umzuwandeln, aber diesen durch den frühzeitigen Abbruch nicht ausdrücken zu können, löste in mir beinahe Frustration und Verwirrung aus, obwohl ich mich hätte freuen sollen.
„Paps, alles in Ordnung mit dir?“ Karas Stimme holt mich zurück in die Realität. Ich bin nicht mehr jung, und die Realität umfängt mich wieder mit der sterilen Einrichtung meiner kleinen Zelle. „Ja, natürlich. Verzeiht mir. Es ist alles gut, ich war nur gerade in Gedanken irgendwo anders. Und ich hätte wohl als letztes mit solchen Nachrichten gerechnet. Ich bin wirklich… sprachlos!“ Dann weite ich mein Grinsen zu lauten Lachen aus; einen herzlichen Klang, der diesen Raum seit meiner Einweisung noch nie in diesem Maße erfüllt hat. Es dauert nicht lange, bis die anderen drei mit einstimmen, die beiden Frauen mich umarmen und der junge Arzt mir voll Stolz und ermutigendem Blick fest die Hand drückt. Ihre Minen erwidern meine Emotionen, und in Sophies Augen haben ihren alten Schimmer der Hoffnung zurückgewonnen, den ich bereits endgültig für verloren glaubte. Die markante Sorgenfalte über ihrer linken Braue ist seit Tagen zum ersten Mal verschwunden. Ich freue mich für sie; darüber, dass sie nun endlich einmal aufatmen kann – auch wenn dafür Kara im Gegensatz zu ihrer Mutter bereits längst erkannt hat, dass ich ihnen etwas vormache.
Seite 22
Freitag
Als ich an diesem Morgen die Augen aufschlage, hat sich bereits ein Empfangskomitee um mein Bett herum versammelt, bestehend aus Sophie, Kara und einem meiner behandelnden Ärzte. Sie stehen einfach nur still da und sehen mich an, während das frühe Sonnenlicht, das durch das Fenster fällt, sanft und hell ihre linken Gesichtshälften bescheint. „Guten Morgen“ sagt Sophie und schenkt mir dabei ihr schönstes Lächeln. Es ist eines, wie ich es schon so viele Male bei ihr gesehen habe; allerdings nur, weil unser Leben von so vielen wunderbaren Situationen bestimmt war. Ich erinnere mich, es bei unserer ersten Verabredung gesehen zu haben und nach den beiden Geburten unserer Kinder, und es ziert ihr gütiges Gesicht auch auf unserem Hochzeitsfoto zu Hause über unserem Bett, das mir ihre Anmut Tag für Tag vor Augen führt. Obwohl ich gerade erst erwacht bin, brauche ich nicht lange, um zu verstehen, dass dies ein ganz besonderer Moment ist. „Hallo, Liebling. Du hast ja dieses Mal die Kavallerie mitgebracht. Was verschafft mir denn die Ehre zu der frühen Stunde?“ frage ich sie. Nun ist es Kara, die das Wort ergreift. „Es gibt gute Nachrichten, Paps.“ Ihr Gesichtsausdruck ähnelt nun sehr dem ihrer Mutter, und einmal mehr muss ich daran denken, wie ähnlich sie ihr doch ist. Sie streicht sich eine ihrer dunklen, lockigen Haarsträhnen aus dem Gesicht und richtet dann ihren Blick auf den weiß gekleideten, hageren Mann neben ihr. „Doktor Amos kennst du ja schon, nicht wahr? Eigentlich wollte ich Mom gerade zum Frühstück ausgehen, aber wir dachten uns, wir fahren vorher noch einmal am Krankenhaus vorbei und fragen, wie es dir geht. Und…naja, es gibt gute Nachrichten.“ Der junge Arzt nickt ihr kurz zu und tritt dann einen kleinen Schritt auf das Fußende meines Bettes zu. „Hallo, Edmond. Ich hoffe, sie haben gut geschlafen, denn ich habe Neuigkeiten für sie.“ Er schaut auf das Klemmbrett, das er unter dem rechten Arm trägt, als wolle er noch einmal ein paar Zahlen prüfen, bevor er seine nächste Aussage macht. “Es ist so…“ beginnt er. „Wie Sie wissen, wird Ihr Zustand seit der Chemo von uns rund um die Uhr überwacht. Und ich weiß, dass Sie sich in letzter Zeit nicht allzu wohl fühlen und sich große Sorgen um Ihre Gesundheit machen, aber heute Morgen haben wir die neusten Ergebnisse bekommen. Tja, und wie soll ich sagen… am besten gratuliere ich ihnen einfach. Es scheint, als wären Sie auf dem Weg der Besserung.“ Alles, was auf diesen Satz folgt, erscheint mir wie in einem Traum, und es kommt mir beinahe so vor, als bewege sich die ganze Welt für Sekunden in einem Zeitraffer: Die Tränen, die Sophie nun in die Augen treten, während sie mich weiterhin anstrahlt, der kleine, freudige Ruck, der deutlich erkennbar ihren Körper durchfährt, als der Arzt das Unvorstellbare ausspricht. Amos selbst, der seine rahmenlose Brille zurechtrückt und sichtbar stolz darauf ist, einem schier hoffnungslosen Patienten auch einmal eine Nachricht der Genesung überbringen zu können. Und natürlich Kara, die mich nicht mehr aus den Augen lässt und offensichtlich meine Reaktion kaum noch abwarten kann.
Als ich an diesem Morgen die Augen aufschlage, hat sich bereits ein Empfangskomitee um mein Bett herum versammelt, bestehend aus Sophie, Kara und einem meiner behandelnden Ärzte. Sie stehen einfach nur still da und sehen mich an, während das frühe Sonnenlicht, das durch das Fenster fällt, sanft und hell ihre linken Gesichtshälften bescheint. „Guten Morgen“ sagt Sophie und schenkt mir dabei ihr schönstes Lächeln. Es ist eines, wie ich es schon so viele Male bei ihr gesehen habe; allerdings nur, weil unser Leben von so vielen wunderbaren Situationen bestimmt war. Ich erinnere mich, es bei unserer ersten Verabredung gesehen zu haben und nach den beiden Geburten unserer Kinder, und es ziert ihr gütiges Gesicht auch auf unserem Hochzeitsfoto zu Hause über unserem Bett, das mir ihre Anmut Tag für Tag vor Augen führt. Obwohl ich gerade erst erwacht bin, brauche ich nicht lange, um zu verstehen, dass dies ein ganz besonderer Moment ist. „Hallo, Liebling. Du hast ja dieses Mal die Kavallerie mitgebracht. Was verschafft mir denn die Ehre zu der frühen Stunde?“ frage ich sie. Nun ist es Kara, die das Wort ergreift. „Es gibt gute Nachrichten, Paps.“ Ihr Gesichtsausdruck ähnelt nun sehr dem ihrer Mutter, und einmal mehr muss ich daran denken, wie ähnlich sie ihr doch ist. Sie streicht sich eine ihrer dunklen, lockigen Haarsträhnen aus dem Gesicht und richtet dann ihren Blick auf den weiß gekleideten, hageren Mann neben ihr. „Doktor Amos kennst du ja schon, nicht wahr? Eigentlich wollte ich Mom gerade zum Frühstück ausgehen, aber wir dachten uns, wir fahren vorher noch einmal am Krankenhaus vorbei und fragen, wie es dir geht. Und…naja, es gibt gute Nachrichten.“ Der junge Arzt nickt ihr kurz zu und tritt dann einen kleinen Schritt auf das Fußende meines Bettes zu. „Hallo, Edmond. Ich hoffe, sie haben gut geschlafen, denn ich habe Neuigkeiten für sie.“ Er schaut auf das Klemmbrett, das er unter dem rechten Arm trägt, als wolle er noch einmal ein paar Zahlen prüfen, bevor er seine nächste Aussage macht. “Es ist so…“ beginnt er. „Wie Sie wissen, wird Ihr Zustand seit der Chemo von uns rund um die Uhr überwacht. Und ich weiß, dass Sie sich in letzter Zeit nicht allzu wohl fühlen und sich große Sorgen um Ihre Gesundheit machen, aber heute Morgen haben wir die neusten Ergebnisse bekommen. Tja, und wie soll ich sagen… am besten gratuliere ich ihnen einfach. Es scheint, als wären Sie auf dem Weg der Besserung.“ Alles, was auf diesen Satz folgt, erscheint mir wie in einem Traum, und es kommt mir beinahe so vor, als bewege sich die ganze Welt für Sekunden in einem Zeitraffer: Die Tränen, die Sophie nun in die Augen treten, während sie mich weiterhin anstrahlt, der kleine, freudige Ruck, der deutlich erkennbar ihren Körper durchfährt, als der Arzt das Unvorstellbare ausspricht. Amos selbst, der seine rahmenlose Brille zurechtrückt und sichtbar stolz darauf ist, einem schier hoffnungslosen Patienten auch einmal eine Nachricht der Genesung überbringen zu können. Und natürlich Kara, die mich nicht mehr aus den Augen lässt und offensichtlich meine Reaktion kaum noch abwarten kann.
Abonnieren
Posts (Atom)