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Freitag


Als ich an diesem Morgen die Augen aufschlage, hat sich bereits ein Empfangskomitee um mein Bett herum versammelt, bestehend aus Sophie, Kara und einem meiner behandelnden Ärzte. Sie stehen einfach nur still da und sehen mich an, während das frühe Sonnenlicht, das durch das Fenster fällt, sanft und hell ihre linken Gesichtshälften bescheint. „Guten Morgen“ sagt Sophie und schenkt mir dabei ihr schönstes Lächeln. Es ist eines, wie ich es schon so viele Male bei ihr gesehen habe; allerdings nur, weil unser Leben von so vielen wunderbaren Situationen bestimmt war. Ich erinnere mich, es bei unserer ersten Verabredung gesehen zu haben und nach den beiden Geburten unserer Kinder, und es ziert ihr gütiges Gesicht auch auf unserem Hochzeitsfoto zu Hause über unserem Bett, das mir ihre Anmut Tag für Tag vor Augen führt. Obwohl ich gerade erst erwacht bin, brauche ich nicht lange, um zu verstehen, dass dies ein ganz besonderer Moment ist. „Hallo, Liebling. Du hast ja dieses Mal die Kavallerie mitgebracht. Was verschafft mir denn die Ehre zu der frühen Stunde?“ frage ich sie. Nun ist es Kara, die das Wort ergreift. „Es gibt gute Nachrichten, Paps.“ Ihr Gesichtsausdruck ähnelt nun sehr dem ihrer Mutter, und einmal mehr muss ich daran denken, wie ähnlich sie ihr doch ist. Sie streicht sich eine ihrer dunklen, lockigen Haarsträhnen aus dem Gesicht und richtet dann ihren Blick auf den weiß gekleideten, hageren Mann neben ihr. „Doktor Amos kennst du ja schon, nicht wahr? Eigentlich wollte ich Mom gerade zum Frühstück ausgehen, aber wir dachten uns, wir fahren vorher noch einmal am Krankenhaus vorbei und fragen, wie es dir geht. Und…naja, es gibt gute Nachrichten.“ Der junge Arzt nickt ihr kurz zu und tritt dann einen kleinen Schritt auf das Fußende meines Bettes zu. „Hallo, Edmond. Ich hoffe, sie haben gut geschlafen, denn ich habe Neuigkeiten für sie.“ Er schaut auf das Klemmbrett, das er unter dem rechten Arm trägt, als wolle er noch einmal ein paar Zahlen prüfen, bevor er seine nächste Aussage macht. “Es ist so…“ beginnt er. „Wie Sie wissen, wird Ihr Zustand seit der Chemo von uns rund um die Uhr überwacht. Und ich weiß, dass Sie sich in letzter Zeit nicht allzu wohl fühlen und sich große Sorgen um Ihre Gesundheit machen, aber heute Morgen haben wir die neusten Ergebnisse bekommen. Tja, und wie soll ich sagen… am besten gratuliere ich ihnen einfach. Es scheint, als wären Sie auf dem Weg der Besserung.“ Alles, was auf diesen Satz folgt, erscheint mir wie in einem Traum, und es kommt mir beinahe so vor, als bewege sich die ganze Welt für Sekunden in einem Zeitraffer: Die Tränen, die Sophie nun in die Augen treten, während sie mich weiterhin anstrahlt, der kleine, freudige Ruck, der deutlich erkennbar ihren Körper durchfährt, als der Arzt das Unvorstellbare ausspricht. Amos selbst, der seine rahmenlose Brille zurechtrückt und sichtbar stolz darauf ist, einem schier hoffnungslosen Patienten auch einmal eine Nachricht der Genesung überbringen zu können. Und natürlich Kara, die mich nicht mehr aus den Augen lässt und offensichtlich meine Reaktion kaum noch abwarten kann.

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