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„Siehst du, Edmond, nun geht es doch bergauf. Irgendwann wird das alles hier vorbei sein, und dann kommst du wieder zu uns zurück. Du hast jetzt lange genug Trübsal geblasen und dir den Kopf zerbrochen – natürlich nicht ganz zu unrecht, und ich konnte das ja auch verstehen. Ich konnte dich verstehen, das kann ich auch jetzt noch.“ „Was meinst du damit?“ frage ich Sophie mit forschendem Blick. „Nun, ich kenne dich nicht erst seit gestern, Edmond. Und wenn man so oft neben dir aufgewacht ist wie ich oder so viele seiner zweifellos wundervollen Tage mit dir verbracht hat, dann lernt man mit der Zeit ganz automatisch, aus deinem Gesicht zu lesen wie aus einem Buch und kann irgendwann jede selbst noch so kleine Regung darin deuten und verstehen. Und auch wenn du es versucht hast, hast du, wie ich finde, jedenfalls für mich kein großes Geheimnis daraus gemacht, dass du dem Bericht nicht traust – und vor Kara, glaube ich, auch nicht.“ Ihre Worte berühren mich in ihrer so spontanen Offenheit auf einer Weise, wie ich sie nicht vermutet hätte. Ihre Aufmerksamkeit hat trotz der vielen Jahre in keiner Weise nachgelassen und einen Teil ihrer jugendlichen Frische von damals erhalten, der wohl ewig in ihr weiter blühen wird; aber dennoch hat sie nicht gänzlich recht. „Es stimmt nicht ganz“ antworte ich ihr nach einer kurzen Weile. „Seine Worte haben mich nur etwas… verwirrt, weißt du? Ich glaube, ich brauche einfach etwas Zeit, um darüber nachzudenken.“ „Ich verstehe dich einfach nicht“ erwidert Sophie mir plötzlich in forschem Ton. „Du solltest überglücklich sein, wieder gesund zu werden! Wieder zu uns nach Hause zu kommen! Hast du dir so fest in den Kopf gesetzt, hier zu sterben? Nur, weil du dich schon darauf eingestellt hast oder deinen Gefühlen vertraust – mehr als den Ärzten, die dich behandeln. Hast du nicht einmal darüber nachgedacht, wie wir uns dabei fühlen?“ Ich schweige, überlege mir, was ich ihr entgegnen soll. Weiter darüber zu streiten, wäre für keinen von uns beiden gut, und eigentlich gibt es absolut nichts, dass gegen sie sprechen könnte – gegen die Worte einer liebenden Frau und Mutter. Und dann ist dort trotzdem noch diese andere Seite in mir, die immer noch keine Ruhe geben kann, genau wie meine Entscheidung, sie nicht mehr anzulügen. Schließlich nimmt mir Sophie, die meinen inneren Zwiespalt beobachtet, die Entscheidung ab. „Ich glaube, es ist jetzt besser, wenn ich gehe, Edmond. Wir sollten uns nicht aufregen, und vielleicht hast du ja Recht, und das ganze braucht einfach nur Zeit. Versuch einfach, ein bisschen zu schlafen, und denk daran, dass es dort draußen noch drei Menschen gibt, die dich brauchen.“ Ich akzeptiere ihren Entschluss mit einem stummen Nicken. „Sehen wir uns morgen?“ frage ich sie schließlich noch einmal. „Aber natürlich. Ich richte Anthony deine Glückwünsche aus.“ Sie steht auf und geht zur Tür, dreht sich dann aber noch einmal mich einem kleinen Lächeln um. „Schlaf gut, Liebling, und versuch, dich zu erholen.“ „Auf Widersehen“ entgegne ich ihr. „Ich werde mich nicht von dir verabschieden, Edmond. Heute nicht. Morgen bin ich ja wieder da, und vielleicht hilft es dir, dich von deinen dunklen Gedanken einmal zu trennen.“ Sie wirft mir noch einen raschen Blick zu, dann ist sie aus dem Zimmer verschwunden.
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