Kapitel 1 – The End
Montag
Alles hat einmal ein Ende. Das ist mir seit heute klar. Sind Sie schon einmal aufgewacht und waren sich einer Sache vollkommen bewusst, ohne zu wissen, wieso? So, als hätten Sie vielleicht von etwas geträumt, an das Sie sich nicht mehr erinnern können, aber noch die Botschaft im Kopf haben, die Ihnen ihr Traum vermitteln wollte?
Ich sterbe. Es ist kein schöner oder schneller Tod. Er zieht sich schon seit vielen Wochen dahin und hält mich fest in seinem Bann.
Mein Name ist Edmond, ich bin fünfundsiebzig Jahre alt und ich habe Krebs. In meinem Zimmer ist es noch dunkel, man hört nur draußen vor der Tür die vereinzelten Schritte der ersten Ärzte, die gerade zu ihrer neuen Schicht erscheinen. Für sie hat gerade ein ganz normaler Tag begonnen, und das ist es vielleicht für die ganze Welt, ein ganz normaler Tag. Nur nicht für mich. Ich kann es fühlen, tief in meinem Inneren. Es ist jenes Gefühl, auf welches ich schon lange warte, es irgendwo ersehnt habe, und gleichzeitig das Gefühl, vor dem sich jeder Mensch am meisten fürchtet. Ich fühle, dass es bald vorbei sein wird. Mein Kampf geht zu Ende, der Kampf eines alten Mannes gegen die Leukämie. Meine einst so große und weite Welt beschräkt sich nun schon seit Wochen auf diesen kleinen Raum. Auf das Krankenhausbett mit dem weißen Bezug und dem weißen Laken. Den Fernseher an der Wand, den kleinen Nachttisch. Das Fenster und den anbrechenden Winter hinter seinem Glas. Es ist schwer, einzusehen, dass die Welt da draußen auch ohne Einen funktioniert. Dass die Zeit weiterläuft, egal ob man sie zu nutzen weiß oder nicht. Und wenn es dann im Kopf klick macht und man endlich eingesehen hat, dass man sich dieser Wahrheit früher oder später stellen muss und sie nicht ändern kann, dann ist die Welt ein ganzes Stück dunkler geworden.
Für mich spielt das alles bald keine Rolle mehr. Mein Körper gibt auf, auch wenn er sich damit Zeit lässt, genau wie diese verdammte Krankheit. Alles geht so langsam, und am Ende muss man sich eingestehen, dass alles Hoffen umsonst war und man eigentlich nie eine Chance hatte. Ich habe mich lange gegen den schleichenden Tod gewährt, aber in meinem Alter geht nach der zweiten Chemotherapie auch dem stärksten Organismus einmal die Kraft aus. Jetzt weiß ich, dass ich die dritte erst gar nicht mehr erleben werde.
Es ist seltsam, dass dir so etwas von einem auf den anderen Tag schlagartig bewusst werden kann.
Wie lange werde ich noch haben? Fünf Tage? Vielleicht zehn? Ich kann es noch nicht sagen, ich spüre nur, dass es bald enden wird. Das Ende der Schmerzen, der Medikamente, der Isolation. Das Ende meines Lebens und von allem, was ich liebe.
Ich sollte mich ausruhen. Am fernen Winterhimmel stehen noch die Sterne am dunklen Himmel, und ihr Licht vermischt sich mit dem der Straßenlaternen auf dem glatten Fensterglas. Ich muss schlafen, die letzten Kräfte sammeln, die ich noch habe. Es gibt noch viel zu tun, noch so viel zu sagen, bevor ich nie wieder ein Wort sprechen kann. Eine einzelne Träne rollt mir über die Wange und sickert in den dicken Stoff meines Kissens. So long and goodnight, so long and goodnight.
Also es fängt jedenfalls vielversprechend an! Natürlich werde ich die Entwcklung , soweit ich kann, tagtäglich weiterverfolgen ^^. Also noch viel Spass und Gute Ideen ;-).
AntwortenLöschenRobert
,,Das Leben ist eine Tragödie für jene, die fühlen und eine Komödie für jene, die denken''
(Jean de la Bruyere)
Ein äußert vielversprechender Anfang und eine (wahrscheinlich/hoffentlich) wundervoll werdende Geschichte...
AntwortenLöschenDeine Leserzahl wie auch der Erwartungsdruck steigen stetig - aber diese Herausforderung haben wir ja gesucht, nicht wahr!? ;)
In freudiger Erwartung über das kommende grüßt Sie - der herzlose Philosoph!