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„Liebling, wach auf. Wir können nicht sehr lange bleiben, aber wir sind alle hier. Hier, bei dir.“ Sophies Stimme lässt mich aus der Dunkelheit sanft meinen unruhigen Träumen entgleiten. Träume von einem einzelnen Auge mit einer schmalen Pupille wie von Blut, verwoben mit der Nacht. Ich weiß nicht, was sie bedeuten, aber jetzt sind sie vorbei. Ich bin wieder hier in meiner Welt, und tatsächlich sind das erste, was meine Augen nach dem Erwachen sehen, die Gesichter meiner Frau und meiner Kinder. Sophie sitzt auf dem Besucherstuhl neben meinem Nachttisch, jenem Platz, auf dem am Vortag noch mein Freund Nicolai saß und mit mir sprach. Und zu meiner Rechten, auf zwei hinzu geholten Hockern, erblicke ich endlich die vertrauten Züge von Kara und Jake. Ihre Anwesenheit erfreut und erleichtert mich, denn ich weiß, dass es für beide nicht leicht war, heute Abend hier zu erscheinen. Letztendlich war es wohl das starke Band unserer Familie, das uns alle schon immer zusammengehalten hat. „Meine Güte, ich freue mich, dass ihr tatsächlich so früh kommen konntet“ sage ich zu ihnen. „Mom hat uns gesagt, dass vielleicht irgendetwas mit dir nicht in Ordnung wäre. Ich hatte noch ein paar Urlaubstage frei und wäre über Weihnachten ja sowieso hierher gekommen, also habe ich gleich den nächstbesten Flieger aus Dublin hierher genommen“ antwortet Jake mit einer Selbstverständlichkeit, die mich erstaunt und mit Stolz erfüllt. Er versucht, ganz gelassen zu bleiben, aber ich weiß seine schnelle Anreise sehr zu schätzen. Er wollte schon ins Ausland, seit er ein kleiner Junge war, und so hat es ihn schließlich gleich nach seinem Schulabschluss nach Irland verschlagen, wo er heute als Anwalt arbeitet. „Die paar Tage machen auch keinen Unterschied, mach dir mal keinen Kopf. Ich habe in letzter Zeit genug gearbeitet, da hab ich mir auch einen etwas längeren Urlaub einmal verdient“ fügt er mit einem sanften Lächeln hinzu und umfasst meine Hand. Mein Blick wandert weiter zu Kara und trifft sich schließlich mit dem ihren grünbraunen, freundlichen Augen. „Für mich war es auch kein größeres Problem, heute Abend hier zu sein“ sagt sie leise. „Ich war seit Montag mit meiner Klasse auf Klassenfahrt, aber wir wären sowieso morgen früh wiedergekommen. Es ist ja noch eine zweite Lehrkraft dabei, da war es in Ordnung, dass ich am Abend vorher schon einmal abgereist bin.“ Auch sie schenkt mir ein Lächeln und vereint ihre Hand mit denen von Jake und mir. Es scheint, als stünde die Zeit in diesem Raum für ein paar Sekunden still, während draußen die Schneeböen durch den Nachthimmel ziehen. Ein Moment voller familiärem Frieden, der mich sogar fast meinen Krankheit und meine dunkle Zukunft vergessen lässt. Sie sind die Lichter in meinem Herzen, und ich muss einmal mehr innerlich lachen, als sie einmal mehr so vor mir sitzen. Sie beide waren schon als Kinder wie zwei kleine Abbilder von Sophie und mir, wobei Kara mit ihrem dunkelbraunen, welligen Haar und dem hellen Teint ganz nach ihrer Mutter kam, während sich bei Jake mit seinen hellblauen Augen und dunkelblonden Haaren schon immer große Ähnlichkeit mit mir hatte. Kara und Jake waren für uns immer einer der großen Beweise unserer glücklichen Ehe, und so rufen sie mir auch jetzt vor Augen, was für schöne und einzigartige Wurzeln unsere Liebe doch geschlagen hat.
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